Depressive Symptomatik bei PMS: Antidepressiva als Hilfe?

Frauen, die am Prämenstruellen Syndrom (PMS) leiden, zeigen neben körperlichen Symptomen wie Brustschmerzen (Mastodynie) oder Kopfschmerzen mitunter auch psychische Symptome wie depressive Verstimmungen oder Schlafstörungen. Im Spektrum der Behandlungsoptionen bei PMS finden sich daher auch Antidepressiva. Was sollte Frau darüber wissen? Wie wirken diese Medikamente und wann sollten sie zum Einsatz kommen?

Stärkere depressive Symptomatik bei 1 von 20 Frauen

Psychische Beschwerden gehören zu den größten Belastungen, die vom PMS ausgehen. Depressive Verstimmungen, Angstgefühle und Verzweiflung, die regelmäßig in der zweiten Zyklushälfte wiederkehren, können die Lebensqualität der betroffenen Frauen erheblich beeinträchtigen. Bei schwerer Ausprägung der seelischen Symptome sprechen Mediziner auch von der Prämenstruellen Dysphorischen Störung (PMDS). Ihre Häufigkeit unter gebärfähigen Frauen wird auf 5 % geschätzt. Die Diagnose wird gestellt, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. Wichtig ist die Abgrenzung von einer echten Depression, die unabhängig vom Zyklusgeschehen auftritt.

Für den Einsatz bei PMS bzw. PMDS können sich in einigen Fällen auch Antidepressiva eignen, die in den Serotonin-Stoffwechsel eingreifen. Dieser Nervenbotenstoff (Neurotransmitter) scheint nicht nur bei Depressionen und Essstörungen eine tragende Rolle zu spielen, sondern auch bei PMDS-Patientinnen. Für diese Annahme sprechen wissenschaftliche Untersuchungen, wenngleich die genauen Zusammenhänge noch unklar sind.

Die Gemütslage hängt maßgeblich am Serotonin-Stoffwechsel

Die Geschlechtshormone wirken sich über verschiedene Wege auf die Bildung, Ausschüttung und Funktion von Serotonin aus. Möglicherweise bringt ein hormonelles Ungleichgewicht in der zweiten Zyklushälfte den Serotonin-Stoffwechsel durcheinander. Ein möglicher Auslöser – ein im Verhältnis zu Progesteron zu niedriger Östrogenspiegel – ist allerdings nicht in jedem Fall nachweisbar. Weitere Informationen zu diesen und anderen Hormonen und ihren Einfluss auf den weiblichen Zyklus finden Sie hier: weiblicher Zyklus.

Eine andere Erklärung setzt auf einen gestörten Signalweg, durch den es letztlich zu den psychischen Beschwerden im Zyklusverlauf kommt. Umgekehrt wird auch angenommen, dass das Serotonin die Reaktion des Körpers auf die vor der Menstruation verstärkt ausgeschütteten Fruchtbarkeitshormone beeinflusst.

Wie dem auch sei: In klinischen Studien haben Substanzen, die die Konzentration von Serotonin im Gehirn erhöhen, bei vielen PDMS-Betroffenen eine gute Wirksamkeit gezeigt. Solche Medikamente werden als Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SRI) bezeichnet. Ist ihr Wirkmechanismus auf diesen spezifischen Prozess beschränkt, werden sie als Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) bezeichnet. Deren prominentester Vertreter ist das Fluoxetin.

SSRI: Antidepressiva der Wahl bei PMS/PMDS

SSRI, also Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, zählen zu den bevorzugten Mitteln zur psychopharmakologischen Behandlung von Frauen mit starken PMS oder PDMS-Beschwerden. Bis zu drei Viertel der Patientinnen sprechen Untersuchungen zufolge auf eine SSRI-Therapie an.

Dabei sind einige Punkte beachtenswert:

  • Vor der Verschreibung von Antidepressiva ist eine ausführliche ärztliche Aufklärung zwingend erforderlich.
  • Der Einsatz von Antidepressiva bei PMS bzw. PMDS birgt mögliche Risiken, Neben- und Wechselwirkungen. Er muss deshalb gegenüber der Schwere der Symptomatik gemeinsam mit dem Arzt abgewogen werden.
  • Bei starker Beeinträchtigung der Alltagsbewältigung durch das seelische Leiden und mangelnder Besserung mittels natürlicher Hilfen kann die Einnahme dieser Psychopharmaka sicher gerechtfertigt sein.
  • SSRI brauchen Zeit, um ihre Wirkung spürbar zu entfalten. Häufig vergehen einige Wochen, bis deren volle Wirkung eintritt.
  • SSRI sind zwar keine Suchtmittel, es kommt aber bei abrupter Beendigung einer vielwöchigen Einnahme häufig zu einem Absetzsyndrom mit körperlichen und seelischen Entzugserscheinungen. Durch ein langsames Ausschleichen (Dosisreduktion) der Medikamente kann dem entgegengewirkt werden.

SSRI gelten zwar insgesamt als vergleichsweise nebenwirkungsarme Psychopharmaka. Dennoch sollte Frau ihre möglichen Nebenwirkungen kennen, die häufig in der Einstellungsphase besonders ausgeprägt sind und sich im weiteren Verlauf meist verringern. Dazu zählen z.B. Übelkeit, Durchfall, Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schlafstörungen, sexuelle Funktionsstörungen und Bewusstseinsstörungen.
Ob Nebenwirkungen, Wechselwirkungen mit anderen Substanzen, Dosisänderungen oder Absetzen: All diese Dinge sollten Sie unbedingt mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin abklären.

 

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