Aktualisiert am 24.11.2022

Menstruelle Migräne

Zyklusstörungen und PMS werden vor allem mit Verstimmung und Brustschmerzen (Mastodynie) in Verbindung gebracht. Aber viele Frauen leiden auch unter menstrueller Migräne. Das heißt, in den Tagen ihrer Periode sind sie von beißenden Kopfschmerzen, oft gepaart mit Übelkeit und Erbrechen, geplagt. Man kann sagen, dass viele Frauen in dieser Zeit Schmerzen stärker wahrnehmen, also schmerzempfindlicher sind.

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Was bedeutet menstruelle Migräne?

Gemäß internationaler Kopfschmerz-Klassifikation wird die menstruelle Migräne folgendermaßen definiert: 

  • Bei mindestens zwei von drei aufeinanderfolgenden Zyklen tritt bei der Frau eine Migräneattacke auf
  • und zwar innerhalb von zwei Tagen vor Einsetzen der Regelblutung bis drei Tage danach. 

Mit dieser strikten zeitlichen Fixierung trifft das aber nur auf einige Patientinnen mit Migräne zu. Ereignen sich die Kopfschmerzanfälle zusätzlich auch noch zu anderen Zeitpunkten im Zyklusverlauf, lautet der medizinisch korrekte Begriff „menstruell assoziierte Migräne“.

Betroffene Frauen leiden unter einem anfallsartigen, meist einseitigen, pulsierenden Kopfschmerz. Der Kopfschmerz kann sich mitunter auch beidseitig manifestieren. Außerdem berichten die betroffenen Frauen zusätzlich von Symptomen wie Übelkeit und Erbrechen sowie Licht- oder Geräuschempfindlichkeit.

Meistens macht sich die menstruelle Migräne bereits im zweiten Lebensjahrzehnt bemerkbar und erreicht um das 40. Lebensjahr herum ihr Maximum.

Migräne mit oder ohne Aura?

Was hat die menstruelle Migräne nun mit der „normalen“ Migräne zu tun? Wo liegen Unterschiede, wo Gemeinsamkeiten? Um diese Fragen beantworten zu können, sehen wir uns die sogenannte „Aura“ näher an.

In Europa leidet etwa jede siebte Frau im Alter von 40 Jahren an Migräne. Dabei unterscheidet man zwischen einer Migräne mit Aura und ohne Aura. Von einer Aura spricht man, wenn es vor dem Migräneanfall zu neurologischen Störungen kommt. Das heißt, das Sehvermögen, die Wahrnehmung, das Gleichgewicht oder die Bewegungsfähigkeit sind beeinträchtigt. Gelegentlich kommt es auch zu Wortfindungsstörungen. Eine Aura dauert nur selten länger als eine Stunde an. 

Ein Zusammenhang zwischen Zyklus und Migräne besteht bemerkenswerterweise vor allem bei der Migräne ohne eine solche Aura.

Migräne oder „nur“ Spannungskopfschmerzen?

Die Abgrenzung zwischen einer Migräne ohne Aura und Spannungskopfschmerz kann schwierig sein. Deshalb soll die Diagnose „menstruelle Migräne“ laut der ärztlichen Leitlinien frühestens nach fünf erlittenen Attacken erfolgen. Zumal betroffene Frauen auch oft einen Zusammenhang zwischen Menstruation und Migräne sehen, den es gar nicht gibt. Das zeigen wissenschaftliche Studien, in denen die Teilnehmerinnen ein Kopfschmerztagebuch führten.

Hormonsenkung als Auslöser – und andere Faktoren

Die menstruelle Migräne ist häufig stärker ausgeprägt, hat mehr Begleitsymptome im Schlepptau und ist schwieriger zu behandeln als andere Migräneformen. Zwei gute Nachrichten gibt es aber auch:

  • Schwangere werden von den Migräneattacken weitgehend verschont, umso mehr, je enger diese an die Menstruation gekoppelt sind.
  • Wenn die Menopause abgeschlossen ist, kann sich das Leiden bessern oder sogar ganz verschwinden. 

Bei der Entstehung der menstruellen Migräneattacken scheint der – vor der Periode einsetzende - Abfall zuvor hoher Hormonkonzentrationen (Östrogen, Gelbkörperhormone) im Blut eine auslösende Rolle zu spielen. Es gibt außerdem Hinweise auf Störungen in der Schmerzregulierung und im Prostaglandin- und Serotoninstoffwechsel. 

Inwiefern diese Störungen und die hormonellen Veränderungen aber im Detail für die Schmerzen verantwortlich sind, ist noch unklar. Die Genetik dürfte auch ein Wörtchen mitzureden haben. Ebenso die Epigenetik, also die Umstände, die das Ablesen der Erbinformation beeinflussen. Hier sind unter anderem psychosomatische Aspekte relevant, bei denen es um die Beziehung zwischen Körper und Seele geht – etwa beim Stressverhalten, das individuell sehr unterschiedlich gelebt wird. Stellt man beispielsweise mehreren Frauen die Frage, welchen Einfluss Stress auf ihren Körper hat, wird man keine einheitliche Antwort bekommen. Die einen kommen mit Stress gut zurecht, während bei den anderen Frauen Symptome wie Kopfschmerzen auftreten.

 

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